Die Ziele der Bundesregierung im Umsetzungstest

Eines der bekanntesten Ziele der Bundesregierung ist es, bis zum Jahr 2025 den Energieanteil aus Sonne, Wasser und Wind auf 40 bis 45 Prozent zu heben und bis 2035 sogar auf 55 bis 60 Prozent. Ein weiteres populäres Ziel ist es, dass 2020 eine Million Elektroautos auf deutschen Straßen rollen. Das Energie-Ziel lebt noch, das Elektroauto-Ziel wird von der Bundeskanzlerin gerade kassiert, weil sie es für unrealistisch hält… und wer glaubt tatsächlich, dass das Energie-Ziel tatsächlich erreicht wird? Ziele setzen und sie dann nicht umsetzen ist eine der größten Management-Sünden überhaupt – denn enttäuschte Hoffnungen, die schöne Zeit und das schöne Geld, das man hätte einsparen können, sind Gift für jeden Geschäftserfolg.

Sich Ziele zu setzen hat viele Vorzüge:  es zeugt von Entschlusskraft, Zukunftsorientierung und gibt der relevanten Zielgruppe Perspektive und Orientierung. Außerdem ist es der Startpunkt einer jeden Unternehmung, die nicht von vornhinein zum Scheitern verurteilt sein soll – denn ohne Ziele läuft man sehr planlos umher.

Aber worin liegen die Schwierigkeiten im Umgang mit Zielen?

  1.  sie sind meist nicht konkret genug
  2. selbst wenn sie konkret sind, so müssen sie in der „Flow“-Zone liegen, d.h. zwischen Komfortzone („das erreichen wir locker“ und „das ist absolut unrealistisch und treibt uns in die Überforderung“)
  3. Ziele werden schnell definiert, sie geben kurzfristig dem Schöpfer ein gutes Gefühl des Tatendrangs und einer Perspektive , aber die wenigsten beherrschen die Prinzipien der Zielumsetzung.

Nehmen wir uns das Energieziel vor:  man will also einen Anteil von regenerativen Energien von 40-45% erreichen.

Besser wäre es, man würde das Ziel folgendermaßen formulieren. Wir steigern den Anteil regenerativer Energien am Gesamtstrombedarf des Landes von 25% Ende 2015 auf mindestens 40% bis 31.12.2025.

Um dies zu erreichen müssen wir folgende „Schlachten“ schlagen:

  1. die Effizienz neuer Technologien steigern
  2. das Problem der Stromspeicherung lösen
  3. die Strompreise stabil halten

Vergleichen Sie beide Varianten einer Zielformulierung und entscheiden Sie selbst, welche Variante die Tür zur tatsächlichen Umsetzung stärker öffnet? Das Ziel an sich ist prägnanter und die Formulierung „von X nach Y“ macht allen Beteiligten klar, wie „hoch man eigentlich springen“ muss.  Eine Steigerung von 35% auf 40% erfordert andere Maßnahmen, als von 10% auf 40%!

Außerdem ist das klare Zieldatum wichtig.  Jede Form von Unklarheit reduziert die Umsetzungsleistung.

Hat man das Ziel in einem klaren Satz formuliert, ist es sehr charmant sich klarzumachen, an welchen 2-3 Hebeln man ablesen kann, bzw. welche 2-3 Schlachten man unbedingt schlagen muss, um das Ziel überhaupt zu erreichen. (Im Kontext der „4 Disziplinen der Umsetzung“ von FranklinCovey sind das die sogenannten Frühindikatoren). Sowohl bei der Energiewende, als auch beim Elektroautoziel ist mir ein solches konkretes Vorgehen nicht bekannt. Es gibt zwar lange Texte wie man das Ziel gedenkt zu erreichen, aber es ist kein Fokus erkennbar, welcher Hebel stärker wirkt als der andere und messbar sind die Absichten und Aktivitäten auch nicht.

Es ist schon erstaunlich, wie wenig diese 4 Prinzipien für eine erfolgreiche Umsetzung in den Köpfen von Managern (und Politikern) bekannt sind:

  1. FOKUS: Auf das absolut Wichtige fokussieren in der Formulierung „von x nach y bis datum z“
  2. HEBEL: Im Expertenteam die richtigen 2-3 Hebel identifizieren, die die größte Wirkung auf das Ziel ausüben und diese messbar machen
  3. SCOREBOARD: Das Engagement aller Beteiligten hoch halten, in dem man an einer Grafik binnen 3 Sekunden sehen kann:  gewinnen wir gerade oder verlieren wir?
  4. VERANTWORTLICHKEIT: sich im richtigen Rahmen regelmäßig gegenseitig verantwortlich halten durch eigene regelmäßige konsequent eingehaltene Verpflichtungen. Eine echte Führungsaufgabe.

Wenn Sie zu den Menschen und den Führungskräften gehören, die Ziele für ihre Organisation ausgeben, dann sollten Sie sich mit diesen vier Prinzipien näher befassen, um den Menschen und ihrer eigenen Organisation ganz viel Frust, Zeit und Geld bei der Umsetzung zu ersparen.

Andreas Maron ist Director Execution Practice bei FranklinCovey DACH und Co-Autor des Buches „Die 4 Disziplinen der Umsetzung“. Näheres zu den „4 Disziplinen erfolgreicher Umsetzung“ finden Sie hier.

Lesetipp: Covey, McChesney, Huling, Maron: Die 4 Disziplinen der Umsetzung, München, Redline, 2016